Newsletter #38

10. Juli 2008

betr. kulturpolitik für europa

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Die Kulturpolitische Gesellschaft informiert:

Vormerken: 2008 ist das Europäische Jahr des Interkulturellen Dialogs - 2009 das Europäische Jahr zur Förderung der Beziehung zwischen Kreativität, Kultur und Bildung !

„Europäer sind exzentrisch.“, meint der Philosoph und Ökonom Wolf Dieter Enkelmann. „Das lässt sich eindringlich nahezu aus der gesamten Weltgeschichte ablesen. Dennoch merken sie es sich persönlich meist gar nicht an. So sehr ist das selbst jenen unter ihnen, die vor allem auf ihre Seriosität bedacht sind, zur zweiten Natur geworden. In ihren Zielen suchen sie ihre zweite Identität, in ihrer Entfremdung ihre Mitte. Knallharte Bestandswahrer sehen anders aus. Europäer witterten Chancen, wo andere nur Abgründe und das Ende von allem, was Recht war, zu sehen vermochten. Was wäre aus Europa geworden ohne Völkerwanderungen, ohne seine Abenteurer und Glücksritter, seine Flüchtlinge und die Vertriebenen, seine Vaterlandsverräter und Heimatverlorenen, ohne all jene, denen Europa unerträglich geworden war? Fernweh: Man möchte es für eine europäische Erfindung halten. Es hat Europa zu einem transkontinentalen Kontinent gemacht.“

Im Gespräch: Maria Böhmer

Integration bedeutet nicht, seine kulturellen Wurzeln aufzugeben, aber doch, die Grund- und Menschenrechte zu achten, meint Maria Böhmer, Staatsministerin und Integrationsbeauftragte bei der Bundeskanzlerin: „Das Recht auf kulturelle Differenz endet dort, wo Grund- und Menschenrechte berührt werden, etwa bei der Gleichberechtigung von Frauen und Mädchen.“ Zugleich sieht sie die multikulturelle Vielfalt im wahrsten Sinne des Wortes auch als Gewinn für die Gesellschaft: „Studien belegen, dass Regionen wirtschaftlich besonders erfolgreich sind, wenn dort eine Kultur der Vielfalt herrscht und gepflegt wird. Vielfalt als Bereicherung und Chance zu sehen, die sich sowohl auf die Wirtschaft als auch auf die gesamte Gesellschaft und das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft positiv auswirkt, ist ein Gedanke, der mich in der Integrationspolitik leitet.“ Mehr hier[Internal]

Islamophobia – Europawahlkampf von rechts

Während so die harten Fakten für die multikulturelle Gesellschaft sprechen, versuchen ihre Gegner immer wieder, sie schlecht zu reden. Jetzt will eine ultrarechte Internationale den Europa-Wahlkampf für ihre Angstkampagnen gegen die angebliche „Islamisierung Europas“ nutzen. Der Kampf gegen „Islamisierung“ ist seit einiger Zeit der europaweite Hit rechtspopulistischer und rechtsradikaler Gruppierungen und Parteien, die in den EU-Mitgliedsländern auf unterschiedlichen Ebenen teilweise auch in Regierungen vertreten waren und sind. Vorläufiger Höhepunkt der rechten Kampagne soll ein Kongress werden, der für den 19. und 20. September in Köln geplant ist. Erwartet werden „illustre Gäste“ wie Jean-Marie Le Pen, Vorsitzenden der französischen Front National (FN) und Mitglied des Europaparlaments, FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache aus Wien oder der Holocaust-Leugner und Vorsitzende der British National Party (BNP) Nick Griffin. Mehr hier[Internal]

Im Gespräch: Hans Joachim Kujath

2009 soll zum Europäischen Jahr der Kreativität und Innovation werden. Die Wissensökonomie spielt dabei eine wesentliche Rolle. Sie schafft jedoch keine einheitliche Welt oder eine homogene kreative Klasse, sondern viele Puzzles auf allen Ebenen, meint der Stadtforscher und Ökonom Hans Joachim Kujath: „Aus meiner Sicht gibt es eine Vielfalt divergierender Interessen, was die einzelnen Berufsgruppen in den Teilbereichen der Wissensökonomie, ihre Arbeit, ihre Lebensumstände und ihre Bedürfnisse betrifft. Sie ballen sich in räumlichen Cluster mit sehr spezifischen baulich-räumlichen Merkmalen und auch sehr spezifischen sozialen Netzwerken bis hin zu Mustern des Zusammenlebens und Wissensaustausches. Daraus bildet sich keine einheitliche Welt, kein einheitlicher Typus von creative city, keine einheitliche kreative Klasse, sondern eine große Vielfalt, ein Puzzle auf jeder Ebene.“ Mehr hier[Internal]

Europareise – ein Projekt der kleinen Unterschiede

Im August treffen sich die Macher von rund 70 innovativen elektronischen Musikfestivals aus ganz Europa zum Meinungsaustausch und zur Diskussion in Köln. Auf Einladung der gastgebenden c/o pop werden u.a. Festivals aus Kiev (Detali Zvuku), Copenhagen (Distortion), Reykjavik (Iceland Airwawes), Zürich (M4Music), Sofia (SeeMe), Barcelona (Sonar), St. Petersburg (SKIF 11) oder Bratislawa (Wilsonic) dabei sein. Ziel des Meetings: die Etablierung eines regelmäßigen internationalen Gipfeltreffens. Mehr hier[Internal]

Menschen in Europa

Andreas Wiesand, Direktor des Europäischen Instituts für vergleichende Kulturforschung (ERICarts) und dessen Forschungskoordinatorin Danielle Cliche finden in zwei Berichten der Bundesregierung über das Verhältnis zwischen dem Europarat und der Europäischen Union ebenso Erwähnung wie Dick Marty. Ralf Dahrendorf, u.a. EU-Kommissar a.D., will Europa nach dem irischen Nein völlig neu denken, weil sich die anstehenden Fragen kaum durch ein „mehr Demokratie wagen“ beheben lassen. GiannaLia Cogliandro vom European Network of Cultural Administration Training Centres (ENCATC) freut sich über den Relaunch ihrer Website. Und Christa Thoben, NRW-Wirtschaftsministerin, befasste sich in Brüssel mit der Kultur- und Kreativwirtschaft – ebenso wie Dr. Peter Dröll und Dieter Gorny. Dagegen hat sich Carlo Ginzberg vor allem mit der Vergangenheit beschäftigt. Mehr hier[Internal]

Das KULTUR-Programm der EU ist nicht die einzige Möglichkeit der europäischen Kulturförderung. Da Kultur ein gesellschaftliches Querschnittsthema ist, lohnt sich ein Blick über den Tellerrand. Kulturprojekte können von anderen EU-Programmen profitieren, wenn sie deren Zielen entsprechen. Schauen Sie sich um: hier und hier

Hangingaround/HeimatQuartier ist ein von der EU gefördertes europäisches Kunstprojekt und dem Müßiggang auf der Spur. Mehr zum Projekt hier[Internal]

 

 

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