Kultur macht Europa - 4. Kulturpolitischer Bundeskongress
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08.10.2007

Ein Drittel Islam

Rund 15 Millionen der Menschen, die derzeit in der Europäischen Union leben, stammen aus muslimischen Ländern. Doch nur ein Drittel davon bekennt sich aktiv zum Islam, so ein Ergebnis der Studie „Islam in der Europäischen Union: Was steht für die Zukunft auf dem Spiel?“, die im Auftrag des Fachreferats Strukturpolitik und Kohäsion des Europäischen Parlamentes erstellt wurde. „Entgegen einer Annahme, die selbst bei Muslimen weit verbreitet ist, praktiziert (dieses Drittel) den Islam keineswegs auf die gleiche Weise, und die subjektiven Erfahrungen differieren ebenfalls.“, so die Autoren der Studie: „Der Glauben in seiner heutigen Form hat verschiedene Wandlungsprozesse durchgemacht, vor allem im Sinne einer verstärkten Individualisierung, auch wenn Formen der gemeinschaftlichen Religionsausübung, an dem sich die Gläubigen nach freiem Ermessen beteiligen können, nach wie vor populär sind.“

Die Gruppe der aus muslimischen Ländern Zugewanderten insgesamt ist sehr heterogen und spiegelt in ihren Facetten von Herkunft, Kulturen, Sprachen und Nationalitäten die ganze Bandbreite der Herkunftsländer wieder. Sunniten kommen dabei vor allem aus dem Maghreb, der Türkei oder Indien und Pakistan. Schiiten leben vor allem in Italien und Skandinavien, sie kamen vor allem als politische Flüchtlinge aus dem Iran. Ein Großteil der Menschen muslimischer Herkunft verhält sich der Religion gegenüber indifferent oder nimmt agnostische Positionen ein, andere sind „noch Muslime im kulturellen Sinne, schenken aber den damit verbundenen religiösen Überzeugungen keine oder nur geringe Bedeutung. Sie bilden so etwas wie eine muslimische Laienbevölkerung, eine Gruppe, die bisher kaum in Erscheinung getreten ist, sich aber jetzt verstärkt Gehör verschafft.“

Mit Aussagen über die zukünftige Entwicklung des Islam hält sich der Bericht zurück. Der Islam erfreut sich zwar derzeit wachsender Popularität, doch ob dieser Trend sich fortsetzen wird, ist alles andere als klar. Aufmerksamkeit erregt die Religion auch deshalb, weil Muslime derzeit „im gesamteuropäischen Maßstab einen Rechtsstatus anstreben, der sich mit dem anderer anerkannter Religionen vergleichen lässt.“, so die Autoren. Allerdings sei „die interne Artikulierung des europäischen Islam noch nicht abgeschlossen, es gibt kaum islamische Führer, die Führungselite bildet sich eben erst heraus, und die betreffenden Bevölkerungsgruppen sind erst im Begriff, vom öffentlichen europäischen Raum (und ihren Rechten) vollen Besitz zu ergreifen.“ Zur Lösung dieser und anderer Fragen der Integration empfiehlt der Bericht, dem Islam in Europa „einen soliden Rechtsstatus“ einzuräumen und bei kulturellen Fragen (etwa religiösen Feiertagen und Beerdigungen) auf ein „ausgewogenes Verhältnis zwischen Allgemeininteresse und besonderen Bedürfnissen zu achten“. Insgesamt verfüge „das europäische Rechtssystem im Rahmen der Beziehungen zwischen Staat und Religion bereits über die erforderlichen Instrumente zur Bewältigung und Lösung der Probleme“. Von den praktizierenden Anhängern des Islam erwarten die Autoren organisatorische Anstrengungen, um die weitere Integration voranzutreiben, etwa durch das Hervorbringen einer „intellektuellen Elite, die zu einem autonomen und originären Geistesschaffen in der Lage ist.“ Alles in allem vermittelt die Studie das Bild einer durchweg durchschnittlichen Religionsgemeinschaft, wie sie auch in anderen, von ihrem Herkommen christlich geprägten Bevölkerungsgruppen in Europa anzutreffen ist.

Helga Trüpel MdEP, die als stellvertretende Kulturausschuss-Vorsitzende den Anstoß zur Studie gab:

„Ich bin absolut dafür, dass Muslime Moscheen bauen dürfen, so wie in Deutschland auch Kirchen und Synagogen stehen. Und es müssen auch repräsentative Bauwerke sein dürfen. Aber Integration ist keine Einbahnstraße. Es muss auch klar sein, dass Muslime Grundwerte wie die Gleichberechtigung von Mann und Frau, die klare Trennung von Staat und Kirche und die Unabhängigkeit des Rechtsstaates achten. Und wenn dabei Konflikte aufbrechen, dann müssen wir diese Konflikte auch eingehen.“

Die Studie „Islam in der Europäischen Union: Was steht für die Zukunft auf dem Spiel?“ finden Sie hier

Moscheen gehören in Europa seit Jahrzehnten zum Stadtbild, Muslime sind seit Jahrhunderten Teil europäischer Gesellschaften. Die aktuelle Kontroverse um den Bau von Moscheen wird nicht nur von religiösen Motiven getragen, sondern auch von Hysterie, Angst und Fremdenfeindlichkeit. Mehr hier


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