Sprachenstreit
Fremdsprachige Medienangebote liegen in Deutschland im Trend. Ob türkische Magazine oder - jüngstes Beispiel - die russisch-sprachige Rheinskaja Gazeta (Rheinische Zeitung): die Medienwelt wird bunter und polyglott. WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach, dessen Haus die Gazeta zusammen mit der ReLine Intermedien Verlags GmbH, Berlin herausgibt, betont neben dem Geschäft auch den integrativen Charakter seines Blattes: „Es ist hilfreich, die bei uns lebenden Menschen russischer Herkunft, die der deutschen Sprache noch nicht so mächtig sind, mit relevanten, interessanten Informationen zu bedienen und ‚mitzunehmen’.“ Die russische Zielgruppe ist 3,5 Millionen Menschen groß.
Der öffentlich-rechtliche WDR sendet über sein Funkhaus Europa mittlerweile in 17 Sprachen. Keimzelle für die Welle waren in den 1960-er Jahren die muttersprachlichen "Gastarbeiter-Sendungen" auf italienisch, türkisch und serbokroatisch. Auch heute noch will der WDR „den Einwanderern, die ja auch Gebührenzahler sind, im Radio einen besonderen Service bieten,“ so Wellenchefin Jona Teichmann. Über die Zahl der deutsch-stämmigen Hörer gibt es keine genauen Zahlen. Klar ist jedoch, dass auch Menschen das Programm einschalten, die sich für andere Sprachen und Kulturen oder für das Weltmusik-Programm der Welle interessieren.
Diese Sprachenvielfalt soll es in den Lokalradios von NRW nicht geben, wenn ein Gesetzentwurf der dortigen Landesregierung tatsächlich verabschiedet wird. Die Novellierung des Landesmediengesetzes NRW sieht vor, dass redaktionelle Beiträge des Bürgerfunks nur „in deutscher Sprache zu gestalten sind“. Zu Begründung heißt es, fremdsprachliche Hörfunkbeiträge würden „die Bevölkerung fast vollständig von der Teilnahme am lokalen Programm ausschließen.“ Und: aufgrund der begrenzten Sendezeit „gebietet eine sinnvolle Förderung der Meinungsvielfalt des Verbreitungsgebiets, dass die Programmbeiträge von einem Großteil der Bevölkerung in diesem Gebiet verstanden und rezipiert werden können.“ Bei einer Anhörung im NRW-Landtags gab Jürgen Brautmeier, als stellvertretender Direktor der Landesmedienanstalt NRW für den Lokalfunk zuständig, zu Protokoll, damit seien „grundsätzliche fremdsprachige Elemente“ im Programm ausgeschlossen.
Tatsächlich wird der „Großteil der Bevölkerung“, der sich einsprachig auf deutsch verständigt, zusehends kleiner. In nordrhein-westfälischen Köln werden über 100 Sprachen gesprochen, in anderen Großkommunen an Rhein und Ruhr ist es nicht anders. Hamburg meldet sogar 150, Berlin als die deutsche Kulturmetrople sogar 165. Im Zuge der europäischen Bildungsdebatte ist die Rede davon, dass in absehbarer Zeit die Dreisprachigkeit ein zentrales Bildungsziel sein sollte.
Vor diesem Hintergrund dürfte es eigentlich selbstverständlich sein, dass man sich auch in jedem europäischen Land mit News in vielen Sprachen versorgen kann – am Zeitungskiosk wie in den elektronischen Medien. Das gilt im übrigen auch für deutsch-stämmige Migranten. Die 145.000 deutschen Auswanderer (2005) werden sicher ebenso wenig auf deutsche Medien verzichten wollen wie deutsche Touristen auf Mallorca. Auch deshalb gibt es den deutschen Auslandsrundfunk.
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