Kultur macht Europa - 4. Kulturpolitischer Bundeskongress
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25.04.2007

Licht und Schatten

Mit 654 Mrd. Euro Umsatz in 2003 (zum Vergleich: Umsatz der Automobilindustrie in Europa 271 Mrd. Euro) gilt der Kultur- und Kreativsektor in der Europäischen Union als eine neue Wachstumsbranche. Die Umsätze wuchsen von 1999 bis 2003 um 8,1 Prozent im Durchschnitt in ganz Europa (EU 30). Doch das Umsatzwachstum des Kultur- und Kreativsektors in Deutschland liegt demnach unter dem europäischen Durchschnitt bei nur 4,9% (zum Vergleich: England: 6,6%, Frankreich: 6,7%, Spanien: 10,5%, Schweden: 7,8%)

Im Branchenvergleich leistet der europäische Kultur- und Kreativsektor einen Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt Europas in Höhe von 2,6%, der jetzt schon höher als der der Immobilienbranche (2,1%) oder der Chemie-Industrie (2,5%). Auch gemessen am Anteil des Bruttoinlandsprodukts liegt der deutsche Kultur- und Kreativsektor mit 2,5% unter dem europäischen Durchschnitt, während laut dieser Studie Frankreich einen Anteil von 3,4%, Norwegen von 3,2%, Dänemark und Finland von 3,1% sowie England von 3,0% erreichen.

Deutschland ist 2003 jedoch in der absoluten Größe der Beschäftigung und des Umsatzes (126 Mrd. Euro) fast gleich auf mit England (132 Mrd. Euro) an der Spitze in Europa.

Im Vergleich der Gewinnmargen im Kultur- und Kreativsektor („operating margin“) liegt Deutschland nicht nur unter dem eu-weiten Durchschnitt, sondern musste nach diesem EU-Bericht auch seit Jahren schrumpfende Gewinnmargen hinnehmen. Der eu-weite Durchschnitt der Gewinnmarge liegt bei 9,2% des Umsatzes; Länder wie die Niederlande erzielen 9,4%, Frankreich 10,8%, aber Deutschland nur 8,7%. Noch im Jahr 2000 lag zudem die Gewinnmarge in Deutschland für den Kultur- und Kreativsektor bei 9,6% des Umsatzes. Kurzum: Deutschland hat neben England einen der größten Kultur- und Kreativsektoren Europas, doch in Wachstum und Ertragskraft hinkt er hinterher. Die Ertragsschwäche der einzelnen kleinen und mittelständischen Akteure des Kreativsektors müsste zuerst abgebaut werden, um dann zu mehr Wachstum zu kommen.

Bernd Fesel leitet das „Büro für Kulturpolitik und Kulturwirtschaft“ Bonn und gehört zu den Organisatoren der Tagung „Kultur- und Kreativwirtschaft in Europa. Kohärente Politik in einer globalisierten Welt“ am 3./4. Mai in Berlin. Mehr Informationen dazu hier

 


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