Kultur macht Europa - 4. Kulturpolitischer Bundeskongress
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06.02.2008

Kunst und Geschäfte

Nach Auswertung der Preise, die Werke von 100 führenden Künstlern zwischen 1970 und 2004 auf dem internationalen Kunstmarkt erzielt haben, kommen Wissenschaftler der Universität Witten/Herdecke zu dem Ergebnis, dass Kunstwerke in Galerien etwa doppelt so viel kosten wie bei Auktionen. Ende der 1980-er Jahre bezahlten Kunstliebhaber dort noch nur rund 25 Prozent mehr, Ende der 1990er Jahre hatte sich dieser Aufschlag vervierfacht und der reale Preis damit verdoppelt.

Die Wittener Kunst-Ökonomen Michael Hutter, Gunnar Pietzner, Christian Knebel und Maren Schäfer sprechen in diesem Zusammenhang von einem „Preisskript“ der Galeristen. Es gilt als verpönt, den Preis für ein Kunstwerk zu senken, weil das der Kategorisierung des betroffenen Künstlers als „unverkäuflich“ gleich käme. Steigende Preise sollen dagegen eine steigende Nachfrage signalisieren. Also ändern sich Galeriepreise fast ausschließlich nach oben. Bei Auktionen lassen sich solche Phänomene nicht beobachten. Hier sind dagegen große Preisschwankungen festzustellen, wobei besondere Aufmerksamkeit vor allem die schlagzeilenträchtigen Rekorderlöse erregen.

Hutter & Co haben eine Reihe von Gründen ausgemacht, weshalb die Käufer trotzdem den Galerien treu bleiben. Sie reichen von Eitelkeit bis zu handfestem Kalkül. Denn einerseits fühlt man sich geschmeichelt, zum ausgewählten Kreis der Kenner zu gehören und am Glamour von Kunst und Künstlern zu partizipieren – etwa als VIP-Gast auf Vernissagen und Ausstellungen. Andererseits übernehmen Galeristen häufig eine Preisgarantie, falls der Kunde das Werk wieder abgeben will. Zugleich versuchen Galeristen, einzelne Künstler im Diskurs zu halten und ein Überangebot ihrer Werke am Markt zu verhindern, um den Preis nicht zu gefährden. Meist wird über die erzielten Preise geschwiegen - Galeristen und Kunstliebhaber bilden so eine exklusive Community, die sich nur den „Eingeweihten“ erschließt – gegen einen „Eintrittspreis“. Bei Auktionen, ob regional oder international, ist das alles anders. Hier steht der erzielte Preis im Mittelpunkt. Da hohe Preise vor allem mit Kunstwerken erzielt werden, die bereits als wertvoll und kunstgeschichtlich bedeutend angesehen werden, reduzieren sich bei steigenden Preisen Angebot und Käuferkreis. Nach Schätzungen werden 80 % des Umsatzes mit Kunst nur von einem Fünftel der Akteure erzielt.

Kunstmarkt Europa

Seit 1967 zum ersten Mal der Kölner Kunstmarkt und damit die erste Kunstmesse der Welt ihre Pforten öffnete („Wir sagen nicht Weltanschauung, sondern Handel!“), hat sich die Kunstszene gründlich gewandelt. Die ART Cologne hat kaum noch Bedeutung über die Region hinaus, die Auktionshäuser haben beim Umsatz die Kunstmessen überholt. 2006 wurden zwar rund 60 Prozent der getätigten Käufe im Kunsthandel in europäischen Ländern erreicht (u.a. Frankreich 18,8 %, Groß-Britannien 14,7 %, Deutschland 12,7 %), die USA erreichten 16,4 %, China immerhin 4,1 %. Doch beim Umsatzvolumen der Auktionen dominiert unangefochten die USA und New York als führender Marktplatz. 45,9 % des Umsatzes wurden dort erreicht, auf Platz 2 folgt Großbritannien mit London und einem Anteil von 26,9 %. Frankreich mit Paris konnte inzwischen wieder zulegen und liegt mit 6,4 % auf Platz 3 – der französische Umsatz ist dreimal so hoch wie der deutsche. Als Geheimtipp ziehen inzwischen die Kunstmärkte in China und Indien an: „Der Kunstmarkt ist ein guter Indikator für den grundsätzlichen Reichtum eines Landes.“, schreibt dazu eine Kunst-Agentur, „Vom schnellen Wachstum seiner Volkswirtschaften getrieben, werden China wie Indien zunehmend größere Player auf dem internationalen Kunstmarkt.“

Mehr zur Wittener Studie hier

Zur Entwicklung des internationalen Kunstmarktes mehr hier

 

 


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