Freiwillige vor
Das Europa-Parlament hat vorgeschlagen, 2011 zum „Europäischen Jahr des Ehrenamtes“ (European Year of Volunteering = EYV) zu machen. Der Antrag wurde von 454 Parlamentariern unterstützt und erreichte damit Platz 3 im Ranking der höchsten Zustimmungsrate in dieser Legislatur. In seiner Erklärung weist das Parlament darauf hin, dass mehr als 100 Millionen Europäer jeden Alters, jeden Glaubens und jeder Staatsangehörigkeit freiwillig engagieren, das entspricht rund 30 Prozent der Bevölkerung. Fast 80 Prozent sind nach einer Eurobarometer-Umfrage zudem der Auffassung, dass ehrenamtliche/freiwillige Tätigkeit ein wichtiger Bestandteil des demokratischen Lebens in Europa ist. Auch ökonomisch betrachtet ist dieser Sektor nicht zu unterschätzen. Der Freiwilligensektor (oder Nonprofit-Sektor) trägt schätzungsweise 5 Prozent zum BIP der europäischen Volkswirtschaften bei. Nach dem European Economic and Social Committee, dem Committee of the Regions und dem Rat der EU-Bildungsminister ist das Parlament die vierte europäische Institution, die sich für das EYV ausspricht und einen entsprechenden Antrag an die EU-Kommission unterstützt. Die Initiative wird von 17 europaweit agierenden Netzwerken und NGOs unterstützt, darunter das Europäische Freiwilligenzentrum, das Europäische Jugendforum, die „Association of Voluntary Service Organisations“ (AVSO), der Dachverband des Roten Kreuzes „Red Cross/European Union Office“, Caritas Europa und der Dachverband europäischer nichtstaatlicher Sportorganisationen. 2011 jährt sich auch zum zehnten Mal das International Year of the Volunteer (IYV) aus 2001. Die UNO wird aus diesem Grund an ihre damalige Initiative erinnern und einen Bericht über die Entwicklung des Volunteering/der ehrenamtlichen Tätigkeiten vorlegen.
Hintergründe
Die vom EP angeführte wirtschaftliche Bedeutung des gemeinnützigen Sektors (Nonprofit-Sektor) ist noch erstaunlich wenig bekannt. Ähnlich wie beim Kultursektor, für den inzwischen europäische Statistiken vorliegen, kann man von einem stetig wachsenden und insgesamt hohen Anteil an Staatshaushalt und Beschäftigung ausgehen. Daten hierzu werden derzeit in rund 40 Ländern erhoben. Die John Hopkins Universität vergleicht das ökonomische Gewicht des gemeinnützigen Sektors mit dem von Frankreich als fünftgrößter Wirtschaftsmacht weltweit. Lester Salamon vom Centre of Civil Society Studies der Universität erklärte, zum jetzigen Stand ergebe sich für Nonprofit Institutionen (NPIs) in den untersuchten Staaten folgendes Bild: die NPIs stehen für operative Aufwendungen (operating expenditures) in Höhe von 1,9 Billionen Dollars, schaffen 48,4 Millionen full-time Jobs, was 4,6 Prozent der arbeitenden Bevölkerung entspricht, und würden ökonomisch gesehen insgesamt auf Platz fünf der weltweit größten Volkswirtschaften stehen, knapp hinter Großbritannien, etwa gleichauf mit Frankreich. In den Niederlanden beschäftigt der Sektor 14 Prozent aller Arbeitskräfte, in Kanada sind es 11 Prozent, aber nur 0, 8 Prozent in Polen und Rumänien und nur 0,4 Prozent in Mexiko. Insgesamt betrachtet arbeiten 44 Prozent im Non-Profit-Sektor ehrenamtlich, der Rest wird bezahlt.
Mehr Informationen zum Nonprofit-Sektor und zum Ehrenamt in Europa finden Sie in einem Bericht über eine Konferenz des European Policy Centre hier
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